Agrardelegation aus Armenien zu Gast im Haus der Tierzucht
Im Zuge des Treffens boten die österreichischen Gastgeber einen umfassenden Einblick in die heimische Zucht- und Bildungsarbeit. Anna Koiner stellte für Rinderzucht Austria die Organisationsstruktur sowie das breite Bildungsangebot vor. Anschließend präsentierte Reinhard Pfleger, Geschäftsführer von Fleckvieh Austria, die Vorzüge der Rasse Fleckvieh. Dabei unterstrich er die besondere Eignung des Doppelnutzungsrinds für die klimatischen und topografischen Herausforderungen Armeniens, um sowohl die Milch- als auch die Fleischleistung im Land nachhaltig zu steigern.
Armeniens Rinderhaltung mitten im Wandel
Das kaukasische Land mit rund drei Millionen Einwohnern vollzieht derzeit wesentliche Modernisierungsschritte in der Landwirtschaft. Die Rinderhaltung ist stark kleinbäuerlich geprägt und wird zum überweigenden Teil von lokalen Rinderrassen mit beschränktem Leistungspotenzial dominiert. Obwohl die durchschnittliche Milchleistung in den letzten zehn Jahren von 1.500 kg auf aktuell 2.600 kg pro Kuh gesteigert werden konnte, steht der Sektor vor allem züchterisch vor großen Herausforderungen: Es besteht daher Bedarf an gezielter genetischer Verbesserung und dem Aufbau moderner Zuchtstrukturen. Weiterer Optimierungsbedarf zeigt sich in der Fütterung, im Herdenmanagement sowie bei der Modernisierung der Rinderställe. Staatliche Initiativen und Projekte zielen darauf ab, die Milch- und Fleischproduktion zu erhöhen und die Herdenführung zu professionalisieren. Dazu sollen moderne Zuchtmethoden wie die künstliche Besamung im Land etabliert sowie Systeme zur Tierkennzeichnung und Datenerfassung aufgebaut werden.
Bewährte Partnerschaft als Basis für die Zukunft
Österreich ist bereits seit vielen Jahren ein verlässlicher und wichtiger Partner für die armenische Regierung. Die Gäste aus Armenien betonten das große Vertrauen in die österreichische Rinderzucht und schätzen insbesondere die hohe Qualität der Genetik sowie das verlässliche System der Zuchtwertschätzung.
Vor diesem Hintergrund ergeben sich vielversprechende Perspektiven für eine noch tiefere Zusammenarbeit. Österreich kann mit seinem bewährten System aus leistungsfähiger Fleckvieh-Genetik, flächendeckender Datenerfassung, praxisorientierter Ausbildung und professioneller Beratung einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung der armenischen Rinderhaltung leisten.
Ein bedeutender Meilenstein des Empfangs war die Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding durch Lilit Sargsyan (Wirtschaftsministerium Armenien, Head of Animal Breeding), Vahe Hovhannisyan (SDA) und Johannes Tanzler (Obmann-Stellvertreter von Rinderzucht Austria), welches das Fundament für die zukünftige Kooperation legt.
Rinderzucht Austria und Fleckvieh Austria bedanken sich bei der Austrian Development Agency sowie der Strategic Development Agency für den wertvollen Austausch und das entgegengebrachte Vertrauen.
Praxisnahe Einblicke in die österreichische Fleckviehzucht
An den darauffolgenden Tagen führte die Delegationsreise in das Zuchtgebiet des Fleckviehzuchtverbandes Inn- und Hausruckviertel (FIH). Im Rahmen einer Praxistour wurden Fleckviehkalbinnen für einen Ankauf durch armenische Kunden selektiert. Ausschlaggebend dafür ist die hohe Zufriedenheit mit den in den vergangenen Jahren aus Österreich importierten Fleckviehtieren.
Ergänzend erhielten die Delegationsteilnehmer weitere praxisnahe Einblicke in die österreichische Rinderzucht. Am Betrieb der Familie Peterbauer in Diersbach nahm die Gruppe an einem vom FIH organisierten Züchterstammtisch teil und erhielt dabei einen direkten Einblick in die praktische Weiterbildung der Züchter. Weitere Programmpunkte waren der Besuch der landwirtschaftlichen Fachschule Otterbach und der OÖ-Besamungsstation, wo österreichisches Know-how in den Bereichen Samengewinnung und Embryotransfer vorgestellt wurde.