ENSURE-Projekt
Milchfettsäuren liefern neue Einblicke in die Fütterung
Sie hat nicht nur Auswirkungen auf die Milchmenge und Inhaltsstoffe, sondern auch auf die Tiergesundheit, Fruchtbarkeit, Stoffwechselstabilität und Wirtschaftlichkeit des Betriebs. Es ist jedoch oft schwer genau zu beurteilen: Passt die aktuelle Ration in meiner Herde? Gibt es versteckte Schwachstellen in der Energie- oder Strukturversorgung? Werden Stoffwechselprobleme möglicherweise erst erkannt, wenn bereits Leistungseinbußen auftreten?
Hintergrund und Forschungsthema
Genau hier soll das Fettsäuremuster helfen, tiefere Einblicke in die Fütterung und deren Auswirkungen auf die Herde zu gewinnen. Die Zusammensetzung der Fettsäuren in der Milch hängt eng mit Fütterung, Laktationsstadium, Energieversorgung und Stoffwechsel der Kuh zusammen. Internationale Forschungsarbeiten zeigen, dass sich aus diesen Mustern wertvolle Rückschlüsse auf die Herdenfütterung ziehen lassen. Zum Beispiel können bestimmte Fettsäuremuster auf zu geringe Futteraufnahme, Probleme mit der Rationsstruktur, erhöhte Ketosegefahr, Pansenbelastung oder Veränderungen durch Weide- und Grünlandfütterung hinweisen.
Was wird im Projekt erhoben?
Im Rahmen des ENSURE-Projekts werden diese Zusammenhänge unter österreichischen Praxisbedingungen genauer untersucht. Eine wichtige Grundlage dafür bilden neue Schätzgleichungen für Fettsäuren in der Milch, die seit Anfang 2025 in Österreich verfügbar sind. Diese wurden im Rahmen internationaler Forschungskooperationen entwickelt, an denen auch LKV Austria beteiligt war, und können nun direkt in der Praxis auf österreichischen Betrieben genutzt werden. Dafür werden Herdensammelmilchproben über einen Zeitraum von 15 Monaten vom LKV-Mitarbeiter gezogen und analysiert. Ergänzend dazu werden einmalig 18 Fragen zu Management und Fütterung erhoben. Die Kombination aus Praxisdaten und Milch-Fettsäureanalysen soll helfen, Zusammenhänge zwischen Fütterung, Management und Milchqualität besser zu verstehen. Der Aufwand für den Betrieb ist die einmalige Beantwortung der 18 Fragen.
Welchen Nutzen haben die Betriebe?
Die gewonnenen Erkenntnisse sollen künftig direkt im LKV-Herdenmanager verfügbar sein. Geplant ist ein neues Tool zur Darstellung und Auswertung des Fettsäureprofils aus MLP- und Tankmilchdaten. Langfristig sollen Betriebe dadurch Schwachstellen in der Fütterung und Stoffwechselprobleme früher erkennen, Rationen optimieren und ihre Leistung sowie Wirtschaftlichkeit verbessern können.
Ihre Teilnahme zählt!
Für aussagekräftige Ergebnisse ist eine breite Datenbasis entscheidend. Betriebe aus allen Leistungsspektren von sehr niedriger bis sehr hoher Milchleistung oder auch unterschiedlichen Futtergrundlagen leisten einen wichtigen Beitrag. Nur durch die Datenerfassung auf vielen unterschiedlichen Betrieben können neue Erkenntnisse gewonnen und praxistaugliche Entscheidungshilfen entwickelt werden.
Autorin: Astrid Köck