| Kristina Linke

Wie ENSURE die Kälbergesundheit verbessert

Die Gesundheit von Kälbern ist ein zentraler Erfolgsfaktor in der Rinderwirtschaft. Sie beeinflusst nicht nur das Tierwohl, sondern auch maßgeblich die Wirtschaftlichkeit eines Betriebs.

ZuchtData

Gesunde Kälber bedeuten geringere Verluste, geringere Behandlungskosten, einen reduzierten Arbeitsaufwand und höhere Gewinne durch bessere Leistungen in der Aufzucht und im späteren Leben der Tiere.

Hier setzt das Forschungsprojekt ENSURE an. In drei Projekten wird daran gearbeitet, die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Überlebensrate von Kälbern und Jungtieren nachhaltig zu verbessern.

Ursachen erkennen – Maßnahmen gezielt setzen

Unter der Leitung der Veterinärmedizinischen Universität Wien werden Ursachen und Risikofaktoren für Kälbersterblichkeit identifiziert und der Effekt von vorbeugenden Maßnahmen untersucht. Die gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage für praxisnahe Empfehlungen, die sowohl die Tiergesundheit als auch die Wirtschaftlichkeit steigern.

Zucht als Schlüssel zur Kälbergesundheit

Neben Managementmaßnahmen spielt auch die Zucht eine entscheidende Rolle. Bisher werden Gesundheitsmerkmale bei Kälbern in der Zucht nur eingeschränkt berücksichtigt. Zwar fließen Tierverluste in den ersten Lebensmonaten bereits in den Vitalitätswert ein, viele wichtige Informationen zur Kälbergesundheit bleiben jedoch ungenutzt.

Im Projekt ENSURE wird daher gezielt an neuen Zuchtwerten für Kälbergesundheit, Saugschwäche und gegenseitiges Besaugen gearbeitet. Ziel ist es, diese Merkmale künftig systematisch in der Zucht zu berücksichtigen und damit langfristig robustere Tiere zu züchten.

Neue Erfassungsmöglichkeiten zur Kälbergesundheit im RDV

Eine entscheidende Grundlage dafür ist die verbesserte Datenerfassung. Die Möglichkeiten zur Erfassung wichtiger Kälbergesundheitsdaten in den bestehenden digitalen Werkzeugen wurden daher erweitert: Über die RDV-Mobil-App können Betriebe ab sofort zusätzliche Informationen zur Kälbergesundheit direkt erfassen, darunter:

·       Abgangsursachen bei Kälbern und Jungtieren

·       Sehnenstelzfuß

·       Saugreflex

Damit können Zuchtbetriebe aktiv zur Weiterentwicklung der Kälberzucht beitragen.

Ergänzend werden Daten aus bestehenden Quellen – wie tierärztliche Diagnosen, Schlachttieruntersuchungen oder der Tierkörperverwertung – hinsichtlich ihrer züchterischen Nutzbarkeit analysiert.

ENSURE

Fleckvieh- und Brown Swiss-Projektbetriebe gesucht - Jetzt teilnehmen!

In ENSURE findet in den nächsten 1,5 Jahren eine Pilotstudie zum Thema Kälbergenetik auf 500 Fleckvieh- und Brown Swiss-Betrieben statt. Auf diesen Betrieben werden Daten bei jeder Geburt, jeder Milchleistungsprüfung und jedem Abgang aufgezeichnet. Bei jedem neu geborenen Kalb werden Saugreflex und Sehnenstelzfuß-Status dokumentiert. Der LKV erfasst bei jeder Milchleistungsprüfung jene Tiere, die andere besaugen. Außerdem wird bei jedem Abgang die Abgangsursache über die RDV-Mobil-App eingegeben.

Aktuell werden weitere Projektbetriebe gesucht. Nehmen Sie an der Kälbergenetik-Studie teil! Kontaktieren Sie bei Interesse bitte Ihren zuständigen Zuchtverband!

Ihre Vorteile bei Projektteilnahme sind Daten zur Kälbergesundheit auf Ihrem Betrieb, zusätzliche Informationen zur Kälbergesundheit für das Herdenmanagement und Daten zur Unterstützung bei Management- und Zuchtentscheidungen. Weiters leisten Sie damit einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung eines verbesserten Kälberzuchtwertes, der es ermöglicht, langfristig robustere und gesündere Tiere zu züchten.

Die auf den Pilotbetrieben gesammelten Daten bilden die Datengrundlage für die Entwicklung neuer Zuchtwertschätzungen.

Erweiterung des Vitalitätswertes

Die gesammelten und aus bestehenden Datenquellen verfügbaren Daten werden genetisch ausgewertet, eine Single-Step-Zuchtwertschätzung für Kälbergesundheit, Saugschwäche und gegenseitiges Besaugen wird entwickelt und der Vitalitätswert wird erweitert.

Ziele des ENSURE Kälbergenetikprojektes sind die Entwicklung neuer, praxistauglicher Erfassungssysteme, neuer Auswertungen zur Kälbergesundheit im Herdenmanager, die Erweiterung des Vitalitätswerts, eine höhere Zuchtwertsicherheit und dadurch mehr Tiergesundheit und Wirtschaftlichkeit.

Gemeinsam mit motivierten Projektbetrieben soll die Kälbergesundheit nachhaltig verbessert und die Basis für robuste, leistungsfähige Herden geschaffen werden. Gute Kälbergesundheit ist das Ergebnis konsequenter Zucht- und Managemententscheidungen.

Im Projekt Kälbergenetik arbeiten BOKU, ZuchtData, LGL (Baden-Württemberg), Vetmeduni, LKV Austria, Fleckvieh Austria, Brown Swiss Austria und ÖFK zusammen. Projektleiterin ist Priv.-Doz. Dr. Birgit Fürst-Waltl.

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