| Lukas Kalcher

Auf Erfolgsprojekt „FoKUHs“ folgt „FoKUHs Herde“

Erstmals fließen mit Stand der Dezember Zuchtwertschätzung 2022 bei der Rasse Fleckvieh mehr als 500.000 und bei Brown Swiss mehr als 90.000 Genotypen in die Zuchtwertschätzung mit ein. Beim Fleckvieh wird mittlerweile jede achte Kalbin genotypisiert. Über das Herdentypisierungsprojekt FoKUHs wurden seit 2018 über 40.000 Fleckviehtiere auf 357 Betrieben genotypisiert. Bei Brown Swiss waren es ca. 4.000 Typisierungen auf 62 Betrieben. Im Projektzeitraum wurden über 53.000 Tierarztdiagnosen und geburtsnahe Beobachtungen digital erfasst und über 140.000 Klauenpflegebeobachtungen von rund 26.000 Kühen erhoben.

ZuchtData/Schwarzenbacher
Entwicklung der Fleckvieh-Genotypisierungszahlen im Zuchtwertschätzverbund. Männliche und weibliche Tiere gesamt.

Mittlerweile wird jede achte Fleckviehkalbin in Österreich genotypisiert, wobei rund ein Drittel der weiblichen Genotypisierungen über das Projekt FoKUHs laufen. In den jüngsten Jahrgängen erfolgen aktuell 3 von 4 Genotypisierungen bei weiblichen Tieren, bei insgesamt 370.000 Genotypen von weiblichen Tieren und insgesamt über 520.000 Genotypen in der Dezember Zuchtwertschätzung.

ZuchtData/Schwarzenbacher
Entwicklung der Genotypisierungszahlen im Zuchtwertschätzverbund innerhalb weiblicher Typisierungen aufgeteilt nach Routine und Projekten

Dies ist aus zwei Gründen eine äußerst positive Entwicklung:

  • Jedes typisierte weibliche Tier, das mit Leistungsinformationen in Milch-, Fitness- und Gesundheitsmerkmalen sowie einer linearen Beschreibung aufläuft, trägt im Single Step zur Verbesserung der genomischen Zuchtwertschätzung bei. Das bedeutet, dass selbst bei direkten Gesundheitsmerkmalen aktuell rund 70.000 typisierte Kühe mit Eigenleistung in die Schätzung eingehen. Beim Vitalitätswert sind dies über 400.000 Tiere.

 

  • Nur Betriebe mit Herdentypisierung können die Vorteile der Genomik voll nutzen:

          - Mehr und gezielterer Zuchtfortschritt

          - Reduktion der Aufzuchtkosten durch frühe Selektionsentscheidung

          - Bessere Verkaufsentscheidungen

          - Gezieltere Anpaarung

          - Effizientes Erbfehlermonitoring

          - Selektion auf Hornlosigkeit und andere genetische Besonderheiten (z.B. A2)

          - Erkennen von wertvollen Tieren für Embryotransfer

Die FoKUHs Bilanz kann sich sehen lassen!

ZuchtData/Schwarzenbacher
Das Genomik Portal erlaubt neben der online Beantragung auch eine gute Übersicht zum Stand bereits durchgeführter Genomanträge.

Das Herdentypisierungsprojekt FoKUHs kann als Erfolgsgeschichte verbucht werden. Ohne die finanzielle Unterstützung von Bund über das Landwirtschaftsministerium und den Ländern bzw. der Europäischen Union im Zuge nationaler Fördermittel bzw. über die Ländliche Entwicklung wäre diese Weiterentwicklung der heimischen Rinderzucht nicht möglich. Durch die intensive Zusammenarbeit mit dem damaligen BMLFUW und der Landesagrarrätekonferenz (LAKO) war es möglich, dieses für die österreichische Rinderzucht bedeutende Projekt auf Schiene zu bringen. Im Projektzeitraum wurden über 53.000 Tierarztdiagnosen und geburtsnahe Beobachtungen digital erfasst und über 140.000 Klauenpflegebeobachtungen von rund 26.000 Kühen erhoben. Rund ein Drittel der aktuell für die Entwicklung der Klauenzuchtwertschätzung einbezogenen Daten aus Österreich stammen von FoKUHs Betrieben. Die rund 67.000 Ketotests von über 36.000 Tieren wurden unter anderem zur Abklärung der genetischen Zusammenhänge mit den Merkmalen KetoMIR, Ketosediagnosen und Fett-Eiweiß Quotienten verwendet. Derzeit werden damit die Grundlagen zur Einführung einer neuen Zuchtwertschätzung für den Stoffwechselkomplex erarbeitet. Mitarbeiter des Zuchtverbands haben außerdem rund 25.000 lineare Beschreibungen durchgeführt, die wesentlich zur Verbesserung der Exterieur Zuchtwertschätzung beitragen.

Ein Meilenstein für die Österreichische Rinderzucht war die Umstellung auf das Single Step Verfahren im April 2021. Das ist die aktuell beste Methodik der genomischen Zuchtwertschätzung.

Ziel im Projekt war es auch die Logistik und Softwareunterstützung in der Genomik effizient und einfach zu gestalten. Der Genomantrag über das Handy wurde mit dem Genomik Portal (https://www.rinderzucht.at/app/) Realität.

Das Genomik Portal erlaubt neben der online Beantragung auch eine gute Übersicht zum Stand bereits durchgeführter Genomanträge. Seit kurzem sind auch die Ergebnisse der Abstammungssicherung im Genomik Portal einsehbar. Die Ohrmarkenstanzen der Firma Caisley erlauben durch die Probennummer als QR-Code eine einfache Beantragung über die Scan Funktion Ihres Handys und eine bessere Nachvollziehbarkeit durch den Ohrmarkenknopf. Im LKV Herdenmanager wurden außerdem Anwendungen für Herdentypisierer eingeführt, die grafische Übersichten zum Stiereinsatz, zu genetischen Trends in der Herde und zu Vergleichen mit anderen Herdentypisierungsbetrieben bzw. der gesamten Population bieten.

Das neue Programm: FOKUHS HERDE

Ab 2023 wird FoKUHs durch das neue Typisierungsprogramm FOKUHs HERDE abgelöst. Wir freuen uns, dass es uns gelungen ist zum gleichen Typisierungspreis von € 20 (brutto) eine mindestens 70 %ige Ausweitung der Genotypisierungen bei Fleckvieh zu ermöglichen. Bei Brown Swiss soll der Typisierungsumfang um 50% vergrößert werde, während bei Holstein um 20% mehr Tiere genotypisiert werden sollen. Das Programm beruht wie schon bisher auf dem Grundsatz „Vergünstigte Genotypisierung als Gegenleistung für die Erfassung von Gesundheitsdaten“.

Das Programm ist bewusst einfach ausgestaltet:

  • Reduzierter Typiserungspreis von € 20 brutto für weibliche Aufzuchttiere die am Betrieb geboren sind
  • Untypisierte Erstkalbskühe müssen bis zum 200. Laktationstag typisiert werden (€ 20)
  • Vertragslaufzeit 12 Monate mit automatischer Verlängerung, wenn Auflagen erfüllt
  • Mindestens 90% der weiblichen Aufzuchttiere typisieren
  • Mindestens 75% Jungvererberanteil bei Reinzuchtbesamungen
  • Tierarztdiagnosen und geburtsnahe Beobachtungen digital erfassen
  • Klauenpflegebeobachtungen bei allen Kühen mind. 1 mal jährlich digital erfassen
  • Ketotests müssen nicht durchgeführt werden
  • Exterieurbeurteilung jeder Erstkalbskuh durch den Zuchtverband

Bitte kontaktieren Sie Ihren Zuchtverband, wenn Sie weitere Informationen benötigen.

Die weibliche Genotypisierung ist eines der wichtigsten Werkzeuge zur züchterischen Weiterentwicklung der Rasse. Nutzen Sie die Vorteile für Ihren Betrieb! Damit leisten Sie einen wichtigen Beitrag zur Absicherung der bäuerlichen Rinderzucht!

An dieser Stelle gilt der Dank an das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft für die aktive Unterstützung diverser Projekte der österreichischen Rinderzucht!

Autor: Hermann Schwarzenbacher, ZuchtData GmbH, Artikel erschienen im Fleckvieh Austria Magazin 06/2022

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