ADDA

Die österreichische Milchwirtschaft steht vor großen Herausforderungen, nicht zuletzt durch den gegenwärtigen Restrukturierungsprozess auf Produzentenebene oder durch den Wettbewerb mit global agierenden Milch verarbeitenden Großunternehmen, die zunehmend auf dem österreichi-schen Markt operieren.

Um das Gesundheitsniveau der Kühe zu verbessern, die Sicherheit und Qualität der gewonnenen Lebensmittel zu steigern, sowie die Wettbewerbsfähigkeit der in der Milchwirtschaft tätigen Unternehmen nachhaltig zu garantieren, ist eine möglichst hohe Integration der gesamten wissenschaftlichen wie auch praktischen Expertise entlang der gesamten Lebensmittelkette Milch notwendig.

Projektziele

Das Ziel des K-Projektes ADDA – Advancement of Dairying in Austria war daher die Schaffung eines nationalen Kompetenznetzwerks zur Sicherung und Unterstützung einer nachhaltigen und profitablen Wertschöpfungskette Milch, die sich in einem hochkompetitiven und ständigen Änderungen unterworfenen Umfeld auch künftig wirtschaftlich behaupten kann.

Das Projekt wurde in folgenden zwei Areas und sieben Projekten ausgeführt.

AREA 1: Grundlagen der Milchproduktion und Sicherheit

Projekt 1.1. Fütterungskonzepte für Hochleistungsmilchkühe

P 1.1 beschäftigt sich mit der Erforschung und Charakterisierung wandbeständiger Pansenmikroben, insbesondere deren Beeinflussung durch Fütterung und Futterzusätze. Des Weiteren werden Strategien erforscht um den Effekten von Endotoxinen und anderen Giftstoffen im Pansen entgegen zu wirken. Ziel ist es die komplexen physiologischen Abläufe und die daraus resultierenden Anforderungen an die Fütterung der Tiere in der modernen Michproduktion zu verstehen.

Projekt 1.2. Reproduktion im Milchviehbetrieb

P 1.2 soll einerseits die Befruchtungsleistung durch objektive Brunstfrüherkennung am Bauernhof mittels eines zu entwickelnden einfachen Schnelltest zur Erkennung der Brunst beim Rind auf Basis Östrogennachweis verbessern. Ein weiteres Vorhaben dieses Projektes ist die Entwicklung eines innovativen Vaterschaftsnachweises.

Ziel ist eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Tierzucht.

Projekt 1.3. Eutergesundheit und Behandlung

Es sollen, insbesondere angesichts der sich wegen der Resistenzentwicklung ständig vergrößernden „Wirkstofflücke“, völlig neuartige antimikrobielle  Wirkstoffe durch epigenetische Reprogrammierung von Pilzen entwickelt und ihre Wirksamkeit gegen klassisch resistente Mastitiserreger (Staphylococcus aureusetc.) getestet werden.

Ziel ist eine Erhöhung der Eutergesundheit durch eine Erweiterung der Behandlungsmöglichkeiten.

Projekt 1.4. Qualität und Sicherheit von Milchprodukten

Geplant ist die Entwicklung eines neuartigen, quantitativen Testsystems zum Nachweis von Endosporen-bildenden Bakterien in Rohmilch. Im Zuge dessen sollen die Diversität der für die Milchwirtschaft relevanten Clostridium und Bacillus Arten und ihr Einfluss auf die Produktqualität erforscht werden. Außerdem werden die Milchprodukte hinsichtlich ihrer Sensibilität gegenüber Verderb und Besiedelung durch pathogene Mikroorganismen bei verschiedenen Lagerbedingungen vor allem in der Konsumentensphäre untersucht.

Ziel ist die Erhöhung der Sicherheit und Qualität von Milch und Milchprodukten.

AREA 2: Bestandteile einer wettbewerbsfähigen Milchproduktion

Projekt 2.1. Integriertes Datenmanagement 

Es sollen die unzähligen, heterogenen, durch verschiedenste Systeme aufgezeichneten Daten und Parameter in ein integriertes Datenmanagement Tool zusammengeführt werden.

Neuartige digitale Ansätze sollen helfen, diese großteils nicht mehr überschaubare Detailmenge und Datenflut zu bändigen, die komplexen Zusammenhänge aufzuschlüsseln und sichtbar zu machen und so eine moderne, effiziente und sichere Betriebsführung und Entscheidungsfindung zu ermöglichen.

Projekt 2.2. Strategien für einen verminderten Antibiotikaeinsatz

Die Erforschung der Zusammenhänge der verschiedenen Faktoren die zum Auftreten von Eutererkrankungen führen und die Aufzeichnung epidemiologischer Daten zum Antibiotikaeinsatz sollen die Wegbereiter für eine nationale Strategie zur Senkung der Antibiotikaverwendung bei Milchkühen sein. Harmonisierung und Standardisierung der Methoden in und zentrale Verarbeitung der Daten aus Milchlabors stellen die Voraussetzung für die Erhöhung der Lebensmittelsicherheit und Optimierung des Herdenmanagements dar.

Projekt 2.3. Ökonometrie

Ein verbessertes Betriebsmanagement in den wachsenden Milchviehbetrieben ist unverzichtbar um deren Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Ein ökonometrisches Modell zur Wirtschaftlichkeitsrechnung und Abschätzung des Einflusses präventiver Maßnahmen zur Steigerung der Herdengesundheit in einzelnen Betrieben soll entwickelt werden. Um neue Informationen aus der Wissenschaft möglichst schnell in der Betriebsführung umsetzten zu können werden innovativen Tools zur Implementierung eines professionellen Wissens- und Technologietransfers von der Wissenschaft direkt zu den Bauern und Tierärzten entwickelt.

Ergebnisse aus dem Projekt

  • Schaffung eines gemeinsamen Standards für die bakteriologische Milchuntersuchung und von Datenschnittstellen zwischen den teilnehmenden Milchlabors und dem RDV, wodurch im LKV Herdenmanager Daten und Auswertungen der bakteriologischen Milchuntersuchung zur Verfügung stehen
  • Entwicklung des Eutergesundheitsrechners, der ökonomischen Effekte von Maßnahmen zur Erhaltung oder Wiederherstellung der Eutergesundheit und Euterhygiene darstellt und somit betriebsspezifische Aussagen zur wirtschaftlichen Effektivität geplanter oder möglicher Maßnahmen zur Verfügung stellt
  • Klärung der Datenschutzrechte in der Rinderzucht als Basis für gemeinsame Weiterentwicklungen
  • Erstellung der Eutergesundheitsbroschüre, einer umfangreichen Broschüre zur Erhaltung der Eutergesundheit, in welcher viele Ergebnisse aus ADDA zu dem Thema enthalten sind
  • Identifizierung eines pflanzlichen Produktes zur Minimierung von Stoffwechselstörungen im Pansen bei Milchkühen
  • Entwicklung einer Analyseplattform für den schnellen und selektiven Nachweis von käsereischädlichen Clostridien in Milch

Projektpartner

  • Universität für Bodenkultur Wien
  • Universität für Veterinärmedizin Wien
  • Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Ober St.Veit/Wien
  • AIT – Austrian Institute of Technology
  • AGES – Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit
  • Allflex Tierkennzeichnung
  • AMA – Agrar Markt Austria / Milch & Milchprodukte
  • Berglandmilch eGen
  • BIOMIN GmbH
  • Kärntnermilch reg. Gen.m.b.H.
  • Königshofer Futtermittel GmbH
  • ILV Kärnten Veterinärmedizinische Untersuchungen
  • Ländliches Fortbildungsinstitut LFI Österreich
  • Landwirtschaftskammer Österreich und Oberösterreich
  • LKV Austria
  • Obersteirische Molkerei eGen
  • Österreichische Tierärztekammer
  • Qualitätslabor Niederösterreich
  • Romer Labs Division Holding GmbH
  • RZV Vöcklabruck - Natürlich Rind
  • SY-LAB Geräte GmbH
  • Tiergesundheitsdienste OÖ, NÖ, Salzburg, Steiermark, Kärnten, Tirol
  • RINDERZUCHT AUSTRIA
  • ZuchtData EDV- Dienstleistungen GmbH

Gefördert wurde ADDA im Rahmen von COMET – Competence Centers for Excellent Technologies durch BMVIT, BMWFW, das Land Niederösterreich und die Stadt Wien, welches durch die FFB abgewickelt wurde.

Weiterführende Infos