| Roswitha Eder

EAAP

RINDERZUCHT AUSTRIA mit der ZuchtData bei der EAAP 2023 vertreten

Vom 26. August bis 1. September 2023 fand in Lyon, der Hauptstadt der französischen Region Auvergne-Rhône-Alpes, der gemeinsame internationale Kongress für Tierwissenschaften der European Federation of Animal Science (EAAP), des Weltverband für Tierproduktion (WAAP) und Interbull statt.

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V.l.: Caspar Matzhold, Katharina Schodl und Judith Himmelbauer bereicherten mit ihren Beiträgen den diesjährigen EAAP-Kongress. Nicht am Bild: Astrid Köck.

Das allgemeine Thema des Kongresses lautete "Klimawandel, Biodiversität und globale Nachhaltigkeit der Tierproduktion". Verschiedene Sitzungen wurden gemeinsam von EAAP, WAAP, Interbull und anderen Partnern organisiert, um verschiedene Wissensbereiche im Zusammenhang mit der Tierwissenschaft, wie Genetik, Ernährung, Physiologie, Tiergesundheit und Tierschutz abzudecken.

Am Wochenende vor der EAAP fand die 58. Interbull-Tagung statt, bei der auch der 40. Geburtstag von Interbull gefeiert wurde. Während dieser Veranstaltung wurden neue Entwicklungen und Innovationen im Bereich nationaler und internationaler Zuchtwertschätzungen vorgestellt und diskutiert. Die Schwerpunkte lagen auf der Integration neuer Merkmale wie Gesundheitsmerkmale, Futtereffizienz und Methanemissionen in die Zuchtwertschätzung, Neuerungen in internationalen Zuchtwertschätzungen und Dienstleistungen von Interbull sowie auf der Weiterentwicklung der Single-Step Zuchtwertschätzung.

Der Kongress war mit mehr als 2250 Teilnehmer:innen sehr gut besucht, die ZuchtData war mit 4 Beiträgen vertreten.

Der Vortrag von Judith Himmelbauer "Investigation on the metafounder concept in ssGBLUP based on a simulated cattle population“ stellte das Metafounder-Konzept in einer simulierten Rinderpopulation vor. Metafounder ist ein neues Konzept, um Tiere mit fehlender Abstammungsinformation möglichst optimal in der Zuchtwertschätzung zu berücksichtigen. Mithilfe der präsentierten Untersuchung konnte, in einem ersten Schritt für eine simulierte Population, gezeigt werden, dass die Modellierung von Metafounder einen deutlich positiven Effekt auf die Zuchtwerte hat. In weiteren Schritten werden nun die Anwendbarkeit und Auswirkungen in komplexeren Szenarien und in der routinemäßigen Zuchtwertschätzung untersucht.

Caspar Matzhold präsentierte seine Forschungsergebnisse zum Thema „Stepwise Modelling for Improved Bovine Health”. Für Verbesserungen im Betriebsmanagement sind Informationen über die Auswirkungen von Betriebsführungspraktiken auf die Gesundheit der Rinder sehr wertvoll. In diesem Zusammenhang demonstrierte er die Wirksamkeit eines auf Schlüsselmerkmalen basierenden Clustering-Ansatzes, der eine umfassende Bewertung der Rindergesundheit sowohl innerhalb als auch zwischen verschiedenen Gruppen von Betriebstypen ermöglicht. Durch die Anwendung dieses Ansatzes kann effektiv untersucht werden, wie spezifische Merkmale, einschließlich technologischer Systeme (Automatische Melksysteme (AMS) und Sensor), die Gesundheit von Rindern beeinflussen. Die Ergebnisse zeigen, dass Betriebe mit AMS und Sensorsystemen im Einsatz einen Trend zu einem geringeren Krankheitsrisiko aufweisen, insbesondere wenn sie ein biologisches Betriebsmanagement verfolgen.

Katharina Schodl sprach über „Genetic parameters for potential auxiliary traits for lameness based on data from PLF-technologies“. AMS sowie Sensorsysteme, welche kontinuierlich Aktivität, Wiederkau- sowie Fresszeiten von Milchkühen messen, stellen eine wertvolle Datenquelle und Möglichkeit zur umfassenden Phänotypisierung dar. Da insbesondere die Phänotypisierung von Gesundheitsmerkmalen eine Herausforderung darstellt, wurden in dieser Untersuchung potenzielle Hilfsmerkmale für Lahmheit aus AMS- und Sensordaten abgeleitet und genetische Parameter geschätzt. Die moderaten bis hohen Erblichkeiten der auf Aktivitäts-, Wiederkau-, Fress- und Milchleistungsdaten basierenden Merkmale lassen ein hohes Potential zur Verwendung in der Zucht vermuten. Aufgrund der niedrigen bzw. nicht signifikanten genetischen Korrelationen der bisherigen Ergebnisse zu Lahmheit gilt dies derzeit allerdings nicht für deren Eignung als Hilfsmerkmale für die züchterische Bearbeitung von Lahmheiten bei Milchkühen.

Ein weiterer Beitrag von Astrid Köck beschäftigte sich mit Lahmheiten in Österreich. Die Häufigkeit lahmer Kühe betrug in dieser Studie 15,1 %. Die Lahmheitshäufigkeit war bei Kühen in der ersten Laktation am niedrigsten (8 %) und nahm mit der Anzahl der Laktationen zu (25,3 % in der fünften und höheren Laktation). Die geschätzte Erblichkeit für Lahmheit war 0,06.

Autor: ZuchtData

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